Inklusion in Sportvereinen

Qualität inklusive - ein Vereinsentwicklungsprojekt

Der vereins- und verbandsorganisierte Sport in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten enorm gewachsen. Vor allem mittels sportpolitischer Maßnahmen ist es gelungen, neue und zuvor vereinsabstinente Sportlerinnen und Sportler als Vereinsmitglieder zu gewinnen. Hiermit einhergehend hat der organisierte Sport die Übernahme gesellschaftlich relevanter Aufgaben für sich reklamiert. So verspricht er unter anderem, eine spezifische Integrationskraft im Hinblick auf soziale Ungleichheit und kulturelle Vielfalt zu übernehmen. Diesen verstärkten Inklusionsbemühungen im Sport folgte eine Binnendifferenzierung, die auch Exklusionsrisiken beinhaltet.

In besonderem Maße betrifft dies den Behindertensport. Als Sonderbereich in eigenständigen Organisationsstrukturen fest etabliert, stellt er seine Integrationskraft bislang dadurch unter Beweis, dass er sowohl quantitativ als auch in seiner gesellschaftlichen Wahrnehmung gewachsen ist.
Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention besteht nun die Verpflichtung, einen diskriminierungsfreien Zugang zu Sportangeboten und Sportvereinen umzusetzen. Zu fragen ist somit, welche strukturellen und welche konzeptionellen Neuerungen sich hierdurch für Breiten- und Leistungssport, aber auch den Behindertensport ergeben. Doch wie inklusiv können Sportvereine und Sportangebote sein? Welche Barrieren struktureller und sozialer, aber auch kultureller Natur bestehen gegenüber einem inklusiven Sport, und wie können inklusive Sportvereinsstrukturen aufgebaut werden? Wie ist es also möglich, Inklusion im Kontext des organisierten Sports strategisch, strukturell, kulturell und operativ-praktisch zu realisieren und zu verankern?

Im Rahmen der vom Ministerium für Familie, Kindern, Jugend, Kultur und Sport über einen Zeitraum von drei Jahren finanzierten wissenschaftlichen Begleitung unter Leitung von Prof.in Seitz (Uni Paderborn) und Prof. Meier (Uni Paderborn), sollen diese Fragen beantwortet werden. Im Rahmen dessen haben sich neun Vereine und Sportbünde auf den Weg gemacht haben, inklusive Strukturen, Kulturen und Praktiken in Sportvereinen aufzubauen. Im Rahmen der Wissenschaftlichen Begleitung sollen die praktischen Umsetzungsprozesse beschrieben, analysiert und reflektiert werden, um tiefere Erkenntnisse zur Konzeption und zur vereinsstrategischen sowie fachlichen Fundierung inklusiver Qualität in Sportvereinen (Gütekriterien bzw. Orientierungsmaßstäbe für inklusive Sportvereine) zu gewinnen und so einen Beitrag zur Entwicklung und langfristigen Absicherung inklusiver Qualität im Sportverein zu leisten.